Amnesty International Gruppe 1020

Impressum | Login

Gruppe 1020

StartseiteMainTodesstrafeH6

Steinigungen im Iran: meistens trifft es Frauen

Die Steinigung ist eine besondere Art der Vollstreckung eines Todesurteils, die bereits für viele Gesellschaften des Altertums bezeugt ist. Dabei wird der Delinquent vor den Augen von Richtern, Zeugen und Schaulustigen so lange mit scharfkantigen Steinen beworfen, bis der Tod eintritt. Diese Hinrichtungsmethode ist extrem grausam, da sie darauf abzielt, dem Opfer vor Eintreten des Todes schwerste Schmerzen zuzufügen. Die Ausführungsbestimmungen sehen vor, dass die verwendeten Steine so gewählt werden sollen, dass sie das Opfer nicht sofort töten.

Obwohl Iran im Dezember 2002 zugesichert hatte, keine Menschen mehr zu steinigen, hat es seitdem mehrfach Hinrichtungen dieser Art gegeben. Nach Kenntnis von Amnesty International (ai) sind seit Mai 2006 mindestens 6 Menschen gesteinigt worden, zuletzt am 5. März 2009.

In den Jahren nach der iranischen Revolution 1979 waren Steinigungen weit verbreitet, inzwischen werden sie des Öfteren in andere Strafen umgewandelt oder das Todesurteil auf andere Weise vollzogen. Berichte über gerichtlich verhängte Steinigungsurteile hat es in den letzten Jahren nur noch aus Iran sowie 2014 auch aus den Vereinigten Arabischen Emiraten gegeben, obwohl diese Hinrichtungsmethode auch in einigen anderen Ländern und Gebieten (Jemen, Nigeria, Pakistan, Saudi-Arabien, Sudan, seit 2009 auch in der indonesischen Provinz Aceh und seit 2014 in Brunei Darussalam) gesetzlich verankert ist.

Ende 2012 waren gegen mindestens zehn Frauen und vier Männer Todesurteile durch Steinigung anhängig. Der Tod durch Steinigung ist für außerehelichen Geschlechtsverkehr vorgesehen, wenn ein Mann oder eine Frau daran beteiligt waren, die mit anderen Personen verheiratet sind (Ehebruch). In Ghaemshahr in der Provinz Mazandaran wurde Berichten zufolge 2014 mindestens ein Steinigungsurteil verhängt. Es ging kein Bericht über eine vollstreckte Steinigung ein.

Das iranische Strafgesetzbuch enthält genaue Regelungen über die Steinigung. Paragraf 102 schreibt fest, dass Männer zur Steinigung bis zur Hüfte und Frauen bis unter die Brust eingegraben werden. Dann werden sie öffentlich - also unter den Augen von Richter, Zeugen und Schaulustigen solange mit Steinen beworfen, bis sie tot sind. Auch Paragraf 104 gibt Anweisungen in Bezug auf die Steinigung wegen Ehebruchs. So sollten die verwendeten Steine laut Vorschrift nicht so groß sein, dass die verurteilte Person nach ein bis zwei Steinwürfen stirbt, aber auch nicht so klein, dass man sie nicht als Steine bezeichnen könnte. Kann sich ein Verurteilter aus eigener Kraft aus der Grube befreien, was schier unmöglich scheint, bestimmt Artikel 103 das weitere Vorgehen. Falls der unerlaubte Geschlechtsverkehr durch Zeugen bewiesen wurde, wird der oder die Verurteilte zur Vollstreckung zurückgebracht. Wurde dieser jedoch durch ein Geständnis bewiesen, so wird er oder sie nicht zurückgeholt. Nach Paragraf 101 des Strafgesetzbuchs soll die Todesstrafe durch Steinigung öffentlich vollzogen werden.

Informationen über Steinigungen werden von der iranischen Justiz strikt geheim gehalten. Es ist deshalb davon auszugehen, dass es bei Steinigungen eine Dunkelziffer gibt. Die islamische Republik Iran ist Vertragsstaat des Internationalen Paktes über bürgerliche und politische Rechte, IPBPR der Vereinten Nationen. Mit seiner Praxis, für Ehebruch die Todesstrafe zu verhängen und diese durch Steinigung zu vollziehen, verstößt das Land gegen mehre Artikel dieses Paktes.

Frauen sind überdurchschnittlich häufig von Steinigungen betroffen. Ein Grund dafür besteht darin, dass sie vor dem Recht nicht gleich sind und vor den Gerichten nicht gleichbehandelt werden. Männer dürfen eine Vielzahl von Zeitehen eingehen, die verhindern, dass sie sich des Ehebruchs schuldig machen. Zudem ist es ihnen erlaubt, bis zu vier Frauen gleichzeitig zu heiraten. Steinigungen gehen oft schon unfaire Gerichtsverfahren voraus. Vor Gericht gilt die Aussage eines Mannes so schwer wie die von zwei Frauen. Zeugenaussagen einer Frau zählen nur dann, wenn sie von mindestens zwei Männern bestätigt werden. Als Beweismittel können die "Erkenntnisse" des Richters ausreichen. Hinzu kommt, dass vielen Frauen schlicht das Geld für einen Anwalt fehlt. Besonders schwierig ist es für Angehörige ethnischer Minderheiten. Sie verstehen die Gerichtssprache Persisch oft nicht, viele können nicht lesen und schreiben.

»Der Lastwagen lud eine große Menge Steine und Kiesel am Rande des unbebauten Feldes ab. Dann wurden zwei weiß gekleidete Frauen mit Säcken über den Köpfen an den Ort geführt … (sie) wurden von einem Hagel von Steinen getroffen, und bald sahen sie aus wie zwei rote Säcke … Die verwundeten Frauen fielen zu Boden und Angehörige der Revolutionsgarden schlugen ihnen mit einer Schaufel die Schädel ein, um sicherzustellen, dass sie tot waren«

Augenzeugenbericht einer Steinigung in Iran, 1987

Wenn Sie noch ausführlichere Informationen möchten, besuchen Sie doch die Webseite der Amnesty International Koordinationsgruppe gegen die Todesstrafe